Das Vorstandsteam über die Herausforderungen im letzten Jahr und den Blick nach vorn

Herausforderungen gibt es immer viele, aber auch Chancen und im vergangenen Jahr den
Raum, die Kraft und die Ideen, an einer Vision für NEUES BERLIN zu arbeiten. Mit dem Vorstandteam Stefan und Krause und Thomas Fleck haben wir uns dazu ausgetauscht.

Lockdown, Hygienevorschriften, Kontaktbeschränkungen. Ist im zweiten Pandemiejahr schon Routine und Alltag geworden, was uns allen zu Beginn ganz neu war?
Thomas Fleck (TF): 
Routine im Sinne von Gewohnheit sicher nicht. Den starken Wunsch nach mehr Begegnung hat man im Unternehmen wahrgenommen. Gerade auch bei den Vertreterinnen und Vertretern, für die wir als Ersatz etliche Zusammenkünfte im virtuellen Format organisiert haben. Diese werden uns vermutlich auch in der Zukunft weiter begleiten und geben uns mehr Flexibilität. Gleichzeitig glaube ich, dass persönliche Begegnungen extrem wichtig sind, um gestalten zu können. Dass diese fehlen, daran haben wir uns nicht gewöhnt und wollen es auch nicht.

Herr Krause (SK):Sich permanent mit neuen Vorschriften zu beschäftigen und die Veränderungen zu kommunizieren, ist Alltag geworden. Aber einer, der durch Flexibilität und Veränderung geprägt ist. Planbarkeit hat einen höheren Stellenwert bekommen. Zugleich hat Geplantes oft gar nicht stattfinden können. In dieser Hinsicht hat man sich leider schon an vieles gewöhnt. Immerhin hat die Krise uns gelehrt, mit Krisen umzugehen.

War 2021 also ein stürmisches Jahr für NEUES BERLIN?
TF:
Wir waren und sind wirtschaftlich in ruhigen Gewässern, konnten verlässlich mit unseren Mitgliedern in Kommunikation treten und viele Projekte durchführen. Rückblickend bin ich beeindruckt, was wir trotz der Situation alles geschafft haben. Wir haben uns neu strukturiert und mutig auf Neues reagiert, haben Wege gefunden, mit der Geschwindigkeit des Wandels sowie mit beruflichen und privaten Herausforderungen umzugehen.

Nun ist eine Genossenschaft nicht nur ein Unternehmen, sondern auch eine soziale Gemeinschaft. Wie schafft man es, diese in der Krise zusammenzuhalten?
SK:
Keine Frage: NEUES BERLIN war auch 2021 nicht im Normalbetrieb. Aber damit kann man respektvoll umgehen und in Kauf nehmen, dass Dinge auch mal liegen bleiben. Wir als Vorstand wollten immer einen Beitrag leisten, dass wir uns nicht von unserem Miteinander
entfremden. Die Basis dafür ist, in Kontakt zu bleiben. Auch wenn es auf neuen, virtuellen Wegen ist. Wenn man das nicht aktiv betreibt, während alle zu Hause sitzen, kann man sich schnell voneinander entkoppeln. Also haben wir großzügig auf die jeweilige Situation geguckt, Prioritäten gesetzt und realistisch entschieden, was möglich ist und was nicht.

War das eine der Herausforderungen des Jahres 2021?
TF:
Für mich war es jedenfalls nicht leicht, akzeptieren zu lernen, dass manche Herzensprojekte aufgrund der Umstände nicht umgesetzt, sondern verschoben wurden. Etwa weil wir unter anderem keine guten Beteiligungsprozesse durchführen konnten. Da gebremst zu werden, war schon eine persönliche Herausforderung.

SK: Der Ankauf einer Immobilie in der Hauptstraße 44 ist auch etwas, was man nicht jeden Tag macht. Das alte Gutshaus wollen wir zu einem lebendigen Ort, an dem sich Menschen begegnen können, aufbauen. Ebenfalls eine Herausforderung war die sich ständig ändernde Rechtslage bezüglich der Coronaregeln. Wir mussten einordnen, was sie konkret für uns bedeuten, um die richtigen, weil für uns praktikablen Maßnahmen einzuleiten. Wir haben versucht, unterschiedliche Sichtweisen so miteinander zu vereinen, dass weder Ausgrenzung noch Spaltung stattfindet. Ich finde, das ist uns gelungen.

Gab es auch etwas, das sich für NEUES BERLIN als Chance herausstellen könnte?
SK:
Die Erkenntnis, dass man Prioritäten setzen und sich eingestehen muss, dass unter besonderen Umständen bestimmte Dinge einfach nicht gehen, war ein wichtiger Lernprozess. Umso schöner, dass dann doch immer wieder Projekte umgesetzt wurden. Ich denke da an das „Plauderstübchen“ – ein Begegnungsort, der trotz aller Widrigkeiten 2021 eröffnet werden konnte. Außerdem ist nach 24 Jahren ein Stück Nachwendegeschichte zu Ende gegangen: Als wir in den 1990ern einen Teil unseres Wohnungsbesitzes privatisieren mussten, haben wir für diesen die Verwaltertätigkeit übernommen. 2021 ist der letzte Vertrag dafür ausgelaufen.

TF: Wir haben 2021 außerdem unser eigenes Messtechnik- Team aufgebaut. Jetzt verfügen wir über eigene Monteure, die Wasserzähler und Heizkostenverteiler ein- und ausbauen sowie reparieren und die Rauchwarnmelder warten. Darauf kann man stolz sein, weil wir damit nun komplett unabhängig von Messdienstleistern sind. Wir haben dadurch ganz neue Hebel, um zum Beispiel der neuen Heizkostenverordnung und mit ihr der Darstellung von Daten zu begegnen. Zudem haben wir unsere Mietverträge digitalisiert. Bei der Digitalisierung allgemein sind wir immer noch mitten im Prozess. Durch den Druckder Pandemie hat sich dieser aber beschleunigt.

SK: Genau, Dinge, die man sich vorher kaum vorstellen konnte, werden auf einmal notwendig. Die Pandemie wirkt da als Innovationsbeschleuniger. Videokonferenzen etwa gab es schon vorher. Plötzlich aber waren wir darauf angewiesen. Das hat erforderlich gemacht, dass wir uns technisch moderner ausstatten, um das mobile, flexible Arbeiten für alle zu ermöglichen. Die Zukunft kommt schneller als erwartet.

Mit welchen Ideen und Vorstellungen geht NEUES BERLIN in diese beschleunigte Zukunft?
SK:
Im letzten Jahr haben wir als Vorstand unsere neue Strategie erarbeitet und ins Unternehmen kommuniziert, die uns als Orientierung und Anker dient. Und an der wir uns auch messen lassen wollen, indem wir uns immer fragen, ob unser Handeln auch auf die Leitideen einzahlt. Ein konkretes Beispiel aus 2021 ist das Haus in der Hauptstraße 44. Das Gebäude verkörpert genau das, was wir brauchen, um dem Gedanken hinter unserem Strategiefeld Menschen & Räume gerecht zu werden. Deshalb fiel es uns leicht, uns für den Kauf zu entscheiden. Daran merkt man, welche Kraft so eine Vision entfalten kann. Genau diese Kraft braucht es für ein Unternehmen wie unseres.

TF: Ein weiteres gutes Beispiel dafür ist auch, dass wir bereits etwa 1.800 Wohnungen für regenerativen Strom erschlossen haben, den wir mit Solaranlagen gewinnen. Das wollen wir weiter ausbauen – weil es unseren strategischen Zielen im Bereich Gesellschaft & Umwelt entspricht. Was wir in den letzten Jahren zudem geschafft haben und auch weiter schaffen wollen, ist, die Betriebskosten weiterhin stabil zu halten. Das ist schon etwas Besonderes, und da sind wir im Vergleich auch ganz weit vorne. Langfristig sollen Mieter dank einer sozusagen erlebbaren Abrechnung ihren Verbrauch und die Kosten gut im Blick behalten können, aber auch konkrete Möglichkeiten für einen effizienten Umgang mit den Ressourcen erhalten.

Corona ist noch da, die Weltlage hat sich eher verschlechtert. Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf die anstehenden Aufgaben für NEUES BERLIN?
TF:
Ich bin Optimist. In vielen Bereichen hat die Pandemie ja als Innovationsbeschleuniger gewirkt. Wenn persönliche Begegnungen erschwert sind, haben wir uns digitale Alternativen gesucht. Aber das geht auch über die Digitalisierung hinaus. Vor allem in den Bereichen Umwelt, Nachhaltigkeit und Energieversorgung. Wenn herkömmlich gewonnene Energie immer teurer wird, müssen wir auch hier in Alternativen denken.

SK: Die letzten zwei Jahre haben Spuren hinterlassen. Aber wir sind nicht gescheitert, sondern gestärkt daraus hervorgegangen. Die Weltlage können wir nur bedingt beeinflussen, jedoch haben wir es als Organisation in der Hand, wie wir den Alltag selbstbestimmt und aktiv gestalten und somit unserer Verantwortung gegenüber unseren Mitgliedern, der Gesellschaft und der Umwelt gerecht werden. Die Coronakrise hat uns gezeigt, dass wir es können. Das gibt mir das gute Gefühl, dass wir auch keine Sorge vor den Herausforderungen der Zukunft haben müssen, wenn wir anpassungsfähig und flexibel bleiben.


Ist eine Genossenschaft dafür vielleicht sogar besonders geeignet?
SK:
Das kann auf jeden Fall einen guten Beitrag leisten. Gleichzeitig aber ist es wichtig, wie man das Modell umsetzt. Es ist eine Frage der Haltung der Personen in Verantwortung und letztlich aller Mitglieder.

2021 liegt hinter uns, 2022 ist schon ein halbes Jahr alt. Was wünschen Sie sich für die nahe Zukunft?
SK:
Ich wünsche mir, dass sich unsere Strategie noch stärker mit der Organisation verzahnt und ihre Wirkung nach innen wie nach außen entfaltet.

TF: Wenn man durch unsere grünen Wohnanlagen geht, die Spiel- und Sportplätze nutzt, hier aufwächst oder schon lange hier lebt, will ich, dass man unsere Visionen für NEUES BERLIN nicht nur spürt, sondern konkret erleben kann. Und das jedes Jahr ein bisschen mehr.

Geschäftsbericht

JAHRESABSCHLUSS 2021

Großes Bewegen trotz schwieriger Voraussetzungen

Mit unserem Jahresergebnis 2021 sind wir zufrieden. Viele Themen haben uns beschäfttigt und bewegt, auch herausgefordert. Basis für ein gutes Ergebnis sind immer auch die Menschen, die es ermöglichen und die Ideen dahinter. Welche das sind und wie wir sie umsetzen, berichten wir in unserem Geschäftsbericht 2021.